Auf meine Äußerung „Meinetwegen könnte die vorlesungsfreie Zeit auch noch ein paar Tage länger dauern“ lachte mein Onkel und sagte „Ja klar, das hättest du wohl gerne.“ Und obwohl ich es aufgegeben habe, darüber zu diskutieren, ob dieses Studieren anstrengender ist oder weniger anstrengend als „richtige“ Arbeit, obwohl ich mir oft genug anhören konnte, dass wir Studenten uns alle ein laues Leben machen, natürlich auf Kosten der Allgemeinheit, setzte ich meiner Familie daraufhin nach kurzem Durchatmen mein bisheriges Jahr auseinander. Dass dabei insgesamt wegen Klausuren, mündlichen Prüfungen, Vorlesungszeiten und einer Bachelorarbeit in diesem Jahr genau eine freie Woche übrig blieb, erstaunte immerhin den Onkel, der seine Bewertung auf ein lahmes „Aber während des Semesters haste ja auch nicht allzu viel zu tun“ zurückzog.

Mir geht es ja überhaupt nicht darum, mich über mein hartes Leben zu beschweren, ganz im Gegenteil. Meistens mag ich das nämlich genau so wie es ist ziemlich gern, freue mich auf die Uni, auf die Menschen und darauf, Vorlesungen zu besuchen. Dann gibt es aber auch Tage, an denen starre ich auf eine große, hell blinkende Dreißig: Dreißig Punkte sollte man pro Semester erreichen, wenn das mit der Regelstudienzeit halbwegs hinhauen soll. Das entspricht umgerechnet (denn jeder dieser Punkte steht für 32 Arbeitsstunden) ungefähr einer Vierzig-Stunden-Woche, was an sich ja noch kein echtes Problem wäre – hielte nicht jeder Dozent sein Fach für das wichtigste und wäre es im Studium (für einige jedenfalls) nicht sowieso schon eine Tatsache, dass man nie, wirklich niemals das Gefühl hat, genug getan zu haben.

Hört man also Veranstaltungen in dem Ausmaß, das im Hinblick auf einen zügig erreichten Uniabschluss sinnvoll ist, dann sieht das so aus: In einer einfachen Variante wählt man vielleicht insgesamt vier Veranstaltungen, die je neun Punkte bringen – man will ja vielleicht auch noch Auswahl haben. Also vier Veranstaltung, die je drei wöchentliche, mindestens neunzig Minuten dauernde Termine beinhalten; immerhin die Pflichttermine sind überschaubar. Etwas weniger überschaubar ist mit fünf bis zehn Stunden die Zeit, die für ebenfalls wöchentlich abzugebende Hausübungszettel aufgewendet werden muss – fünf bis zehn Stunden pro Zettel, wohlgemerkt. Und dann habe ich noch nicht damit angefangen, Vorlesungen vor- oder nachzuarbeiten, geschweige denn, einem Job nachzugehen, mit dem ich das Studium finanzieren kann.

Es geht mir nicht darum, zu jammern, weil man es als Student so schwer hat. Es wäre mir nur ein Bedürfnis, nicht andauernd von diversen Seiten zu hören zu bekommen, wie leicht ich es habe. Mir ist schon klar, dass die Situation für viele härter ist, aber warum beurteilt man so schnell Gegebenheiten, in denen man nie selbst gesteckt hat?

Mir geht es nicht besser, wenn mich die große Dreißig vor Stress und einem Anflug von Panik (BAFöG gibts nämlich nur, wenn man in Regelstudienzeit bleibt) erstarren lässt und ich dann noch zu hören bekomme, dass das alles gar nicht so schlimm ist.

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