„Denk daran, dass die Stille, die du erlebst, ein wenig anders ist als die, die andere erfahren. Alle haben ihre eigene.“ (S. 102)

Zusammenfassung. In diesem Buch finden wir die Gedanken, die sich Erling Kagge zum Thema Stille gemacht hat, in insgesamt 33 längeren und kürzeren Kapiteln. Dabei spricht er vom offensichtlichen bis zu den weniger offensichtlichen Teilen alles Denkbare an – ob er von der Stille am Südpol redet, von der Stille bei DJ-Sets oder von der Stille in der Großstadt.

Cover und Aufmachung. Die schlichte Optik des Umschlags hatte mich schon von Beginn an, doch das Buch hat es geschafft, meine Begeisterung noch vor Lesebeginn zu steigern: Nimmt man den Schutzumschlag ab (was ich grundsätzlich während des Lesens mache, sonst könnte ja was drankommen), so findet man das laute, rauschende Leben auf dem Buchdeckel. Wie könnte man ein Buch über Stille besser präsentieren?
Ebenfalls beachten muss man die Fotos und Bilder zwischen den Texten, die eine beeindruckende Ruhe ausstrahlen und deutlich machen, wieso der Autor einen Faible für Kunst hat.

Inhalt. Man darf auf keinen Fall einen durchgehenden roten Faden (abgesehen von der Stille als Thema) erwarten. Kagge liefert uns insgesamt 33 Ansätze einer Erklärung auf der Suche nach dem, was Stille bedeutet, was Stille sein kann und warum sie wichtig für uns ist, dabei stehen diese einzelnen Ansätze aber weitgehend alleine.
Auf die von ihm angesprochene Stille in moderner Musik achtete ich dann natürlich unbewusst in jedem Stück, dass ich seitdem gehört habe, über einige der von ihm referenzierten Menschen (Künstler, Dichter, Unternehmer) musste ich kurz recherchieren, denn ich kannte so gut wie niemanden von ihnen – insgesamt kann man also wohl sagen, dass mich das Buch sehr nachhaltig zum Nachdenken angeregt hat.
Zwischendurch zweifelte ich trotz meiner Begeisterung jedoch an der Notwendigkeit all dieser 33 Kapitel und hatte den Eindruck, dass Kagge ein wenig um etwas herum redet statt auf den Punkt zu kommen. Das waren aber nur sehr vereinzelte Momente.

Lieblingsstellen. „Zuhause fährt immer ein Auto vorbei, ein Telefon klingelt, pfeift oder brummt, irgendjemand redet, flüstert oder schreit. Insgesamt gibt es so viele Geräusche, dass wir sie kaum noch hören.“ (S. 23)
„Heißt das, wir – du und ich – sind verrückt? Ja, ich glaube, wir sind auf dem Weg, vollkommen verrückt zu werden.“ (S. 50)
„Die besten Dinge im Leben sind manchmal umsonst. Die Stille, die mir vorschwebt, findest du dort, wo du bist und wenn du es willst, in deinem Kopf.“ (S. 73)
„Du fährst zur See, und wenn du zurückkehrst, findest du möglicherweise das, wonach du gesucht hast, in dir selbst.“ (S. 81)
„Er wollte vermeiden, dass die Gruppe sich den ganzen Tag lang gegenseitig erzählt, wie fantastisch es ist, statt sich auf das Fantastische zu konzentrieren.“ (S. 96)
„Die Stille ist ebenso inhaltsreich wie die Wörter.“ (S. 116)
„Unterwegs zu sein, ist nahezu immer zufriedenstellender, als am Ziel anzukommen.“ (S. 123)

Fazit. Ein Buch, dass ich jedem empfehlen kann, der sich gern Gedanken über die Welt um ihn herum macht; ein Buch, das mich zum Nachdenken angeregt hat und sicherlich Einfluss auf meinen Blick auf die Welt um mich herum genommen hat; ein Buch, in das ich sicherlich wieder schauen werde.

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