„Aus den Tiefen heraufreichende Ungeheuer waren nicht nötig. Das Wasser nimmt sich schon genug.“ (S. 77)

Zusammenfassung. Seit drei Jahrhunderten sind die Kings die ungekrönten Könige der Insel Loosewood Island, die so zwischen Kanada und den USA liegt, dass niemand genau weiß, zu welchem Land sie nun gehört. Alle auf der Insel leben im weiteren oder engeren Sinne vom Hummerfang – oder von dem, was sich mit dem Lokalprominenten, Maler und ersten Inselbewohner Brumfitt Kings verdienen lässt. Dabei verschwimmen die Grenzen zwischen Märchen und echten Geschehnissen immer mal wieder.

Erster Satz. Wir sind die Kings, und wenn es auf Loosewood Island so etwas wie eine Königsfamilie gibt, kommen wir dem am nächsten.

Cover. Das Cover ist einer der Gründe, weswegen ich mich ziemlich direkt in dieses Buch verliebt habe. Das Farbspektrum ist toll, das Motiv erst recht und überhaupt… Optisch ein ziemlich ansprechendes Werk. Der Titel wäre aber natürlich im Englischen sehr viel wortwitziger.

Inhalt. Mich beschlich zwischendurch sehr stark das Gefühl, dass das Buch selbst gar nicht so richtig wusste, wo es hinwollte. Die ersten zwei Drittel zogen sich sehr, weil für mein Gefühl nicht viel passierte, und erst als es gegen Ende wirklich spannend wurde, konnte mich das Buch richtig packen.
Was aber schon von Beginn an toll war, war zum einen die Sprache, die die märchenhafte Stimmung ganz wunderbar unterstützt; außerdem die Bezüge, die immer wieder auf Brumfitts Gemälde aufgreifen und so zum Teil in Worte fassen, was kaum in Worte zu fassen ist.

Personen. Leider musste die Hauptfigur und Ich-Erzählerin hart um meine Sympathien kämpfen, denn so richtig meins war sie einfach die ganze Zeit nicht. Sie erinnerte mich zwischenzeitlich immer etwas zu sehr an ein Kleinkind (nicht so sehr wie andere Protagonistinnen, mit denen ich schon das Vergnügen hatte, aber doch genug, um mich ein, zwei Mal mit den Augen rollen zu lassen) statt an eine erwachsene Frau.
Aber als gut gelungen drängt sich dann an der Stelle praktisch auf, dass die Figuren alle eine eigene Persönlichkeit haben und der auch treu bleiben. Das hat mir gut gefallen.

Lieblingsstellen. „Ich schätze, jeder verdient eine zweite Chance?“ […] „Eine zweite Chance, aber keine dritte.“ (S. 201)
„Es braucht keine Ungeheuer, um das Bild so bedrückend zu machen, es reicht die ruhige See, ein leeres Boot und ein einzelnes Wort hinten auf der Leinwand, der Titel des Bildes: Verschwunden.“ (S. 328)
Und ganz große Liebe für die ganze Seite 346, die ich aus Spoilergründen hier leider nicht zitieren kann.

Fazit. Dieses Buch hinterlässt mich etwas ratlos. Es fiel mir über zwei Drittel der Seiten echt schwer, zum Weiterlesen motiviert zu sein, obwohl die Sprache und das Märchenhafte mir so unheimlich gut gefallen haben – somit könnten die Schwierigkeiten, am Ball zu bleiben, auch an mir gelegen haben.
Und als zum Ende hin alles zunahm: Spannung, Emotionen und Sympathien, da mochte ich das Buch kaum noch weglegen.

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