„Du kennst doch das leere Gefühl, das im Bauch entsteht, wenn du betrübt bist. […] Dieses Gefühl nennt man Kummer. Der Kummer beschreibt die Lücke, in der die Seele existiert, die du vermisst, weil du den Menschen, aus dem sie hervorgegangen ist, geliebt hast.“ (S. 224)

Zusammenfassung. Bens Bruder Jonas ist gestorben, völlig unerwartet und plötzlich – und nun sieht sich Ben der Aufgabe gegenüber, mit Jonas‘ Tod, seiner eigenen Trauer und der Trauer seiner Mutter umzugehen, während er zugleich auf dem Weg in die Pubertät ist.

Erster Satz. Es wäre besser, die Raufaserkrümel bewegten sich.

Cover. Das Cover hat mir auf Anhieb mit seiner Schlichtheit gefallen, als ich allerdings auf Seite 11 angekommen war und auf den Text „Jonas hat dir im Krankenhaus ein Bild gemalt. Es zeigt eine Rakete. […] Jonas‘ Bettnachbar hat sich über die Farbe des Raketenfeuers beschwert. So ein Feuer sei nicht grün.“ stieß, war ich doch etwas enttäuscht; da ich vermute, dass die Coveridee dem von Jonas gemalten Bild entspringt, hätte ihr Feuer gern auch grün sein dürfen.
Das macht es natürlich nicht weniger hübsch, nur im Romankontext weniger cool.

Inhalt. „Ein fauler Gott“ erzählt auf sehr nüchterne Weise vom Umgang mit Trauer und Verlust und von den Entwicklungen eines Jungen auf dem Weg zum Teenager. Auf diese Weise wird die eigentlich sehr tragische und traurige Thematik deutlich weniger rührselig ausgebreitet als es der Fall hätte sein können, das hat mir sehr gut gefallen. Außerdem erhält man trotzdem einen ziemlich ausführlichen Blick in Bens Innenleben – oder auch in das seiner Mutter Ruth, wenn der Erzählfokus zwischendurch mal auf ihr liegt – und die dort festzustellenden Entwicklungen sind wirklich spannend und interessant zu lesen (obgleich ich natürlich nicht weiß, wie nah an der Realität der männlichen Entwicklung das alles tatsächlich ist).
Trotzdem hatte der Roman für mein Empfinden einige Längen, die dafür sorgten, dass meine Motivation, immer weiter zu lesen, leider empfindlich gestört war.

Personen. Im Fokus der Erzählung stehen Ben und seine Mutter Ruth, die schwer mit dem Verlust zu kämpfen haben, und umrahmt werden von einer ganzen Reihe anderer Figuren. Freunde, Lehrer, die Bibliothekarin und viele weitere begleiten beide, im Besonderen aber Ben, und erleichtern ihm das Leben oder erschweren es auch mal.
Ein besonderer Fokus liegt dabei auf den Freundschaftsbeziehungen, die Ben knüpft. Dabei gefiel mir besonders gut die Unsicherheit im Umgang mit Mädchen und auch Jungen, während sich so vieles im Körper verändert; das Bedürfnis, immer cool zu sein und vor den anderen keine Schwächen zu zeigen; das Gefühl von Alleinsein mit all den Sorgen und Ängsten, weil man niemanden hat, mit dem man reden kann.

Lieblingsstellen. „Knapp unterm Wasserspiegel klebt die Schnecke an der Scheibe und leckt sie sauber. […] Sie weint nie. Oder immer. Das lässt sich unter Wasser kaum feststellen.“ (S. 55)
„Ihre Trauer bleibt unfertig, sie formt sich nicht und findet kein Maß. Sie ist aus der Zeit gefallen, und wo keine Zeit ist, wird sie auch keine Wunden heilen.“ (S. 103)
„Mehr Weihnachten wird es in diesem Jahr nicht geben. Man kann die Geburt eines Kindes nicht feiern, wenn ein Kind gestorben ist.“ (S. 129)

Fazit. Während mir die einfache, klare Sprache, die Personen und ihre Beziehungen sehr gut gefallen haben, war das Buch für mich leider trotzdem doppelt so dick wie es hätte sein sollen. Ich hatte selten das Bedürfnis, weiterlesen zu müssen, weil sich vieles zu sehr zog – und das ist leider, leider ein echt großer Kritikpunkt, der es mir unmöglich macht, das Buch uneingeschränkt zu empfehlen.

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