Lyrische, poetische Texte, gar Gedichte, zu rezensieren ist immer eine Herausforderung für sich und gestaltet sich in meinen Augen deutlich schwieriger als das Rezensieren von Romanen und ähnlicher Literatur, aber ich gelobe feierlich, mein Bestes zu geben und in Worte zu fassen.

Zum Inhalt. „Zärtlichkeiten“ beinhaltet eine Reihe Texte, hauptsächlich Gedichte, die sich in den Empfindungen der Liebe suhlen und leidenschaftlich versuchen, diese ungeheuer großen Gefühle in Worte zu fassen. Dabei hat mir ausgesprochen gut gefallen, dass so viel von dem Gefühl wahnsinnig authentisch und glaubwürdig war. Da steckt so viel Intensität hinter, die berührt, weil man sie aus dem eigenen Leben kennt: Das Atemlose, weil alles so perfekt ist und man nur davorstehen und sich selbst beobachten kann; der Unglaube über das Glück, das einem da zuteilwurde; die Überzeugung, dass es niemals besser sein wird; die Hoffnung, dass all das nie vorübergeht.
Zudem hatte ich beim Lesen den Eindruck, dass sich in den Gedichten die Entwicklung einer Beziehung vollzieht, aber vielleicht ist das auch überinterpretiert und Zufall.
Um zu meinen Kritikpunkten zu kommen: Das Gefühl, dass durch die Zeilen auf mich übersprang, das rührte nahezu ausschließlich von der Glaubwürdigkeit des lyrischen Ichs her. Das ist auf den ersten Blick auch gar nicht schlecht, ich hatte jedoch im Vorfeld auf mehr gehofft: Nämlich auf Gefühl, das mich von den Worten her anspringt, das nicht nur in den bekannten Gefühlen steckt, sondern in der Intensität der Wortwahl. Das ist es, was für mich den Unterschied ausmacht zwischen einem ganz hübschen Gedichtband auf der einen Seite und umwerfenden, atemberaubenden Zeilen auf der anderen. Das Gefühl, dass der Dichter an jedem einzelnen Wort gefeilt hat, jede Zeile perfektioniert hat, bis sie genau so war, wie sie sein müsste. Und genau das hat mir bei „Zärtlichkeiten“ zu meinem Bedauern etwas gefehlt. Vielleicht lag es mit daran, dass ich mich mit den Texten in englischer Sprache so gar nicht anfreunden konnte – hier fehlte mir die Geschliffenheit der Worte noch etwas mehr.

Lieblingsstellen. „Du und ich, und ich und Du, atmen.“ (S. 32)
„Es fliegt sich einfach leichter, so ganz ohne Last.“ (S. 53)

Fazit. Obwohl der Absatz über die Kritikpunkte länger geworden ist (was meinem Bedürfnis, Kritik zu erklären geschuldet ist), will ich niemandem von diesen Gedichten abraten. Ich bin überzeugt, dass sie vielen sehr gut gefallen können, man sollte nur wissen, worauf man sich einlässt: Auf Gefühle, die nicht aus jeder Wortkonstruktion strömen, die aber trotzdem glaubwürdig da sind.
Und das ist schon eine ganze Menge.

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