„[…]wie zwei normale Mitarbeiter eines normalen Unternehmens, das vielleicht eine Sekte ist, vielleicht aber auch nicht.“ (S. 508)

Zusammenfassung. Acht Menschen, zwei Jahre, eine eigene Ökosphäre, nichts rein, nichts raus: Die Formel der Mission Ecosphere 2 ist denkbar einfach und stellt doch alle Beteiligten vor existentielle Probleme. Wie geht man mit Zurückweisung und Demütigung um, wenn man keine Chance hat, der anderen Person aus dem Weg zu gehen? Wie entwickeln sich zwischenmenschliche Spannungen im Angesicht lebensbedrohlicher Situationen? Und wie ernst kann man eine solche Mission nehmen?

Erster Satz. Man hatte uns von Haustieren abgeraten, desgleichen von Ehemännern oder festen Freunden, und dasselbe galt natürlich für die Männer, von denen, soviel man wusste, keiner verheiratet war.

Cover. Ich bin normalerweise nicht kritisch bei Buchcovern, aber mit diesem konnte ich mich schon von Beginn an irgendwie nicht anfreunden. Die Lektüre hat mich bestätigt: Mir ist bis jetzt nicht klar, was ein Mensch in einem Astronautenanzug mit dem Inhalt des Romans zu tun hat, das ist mir einfach echt ein Rätsel. Sehr viel besser: das englische Originalcover.

Inhalt. Die Idee fand ich schon vom ersten Klappentextlesen an ansprechend (und im selben Maße beunruhigend, denn wer sagt uns, dass nicht tatsächlich bald eine Notwendigkeit besteht, in künstlichen Ökosystemen zu leben?) und das hat sich auch nicht geändert; allerdings hätte ich mehr Spaß an der Lektüre gehabt, wenn sie sich etwas mehr auf die wichtigen Ereignisse konzentriert hätte, diese ausführlich behandelt, und den alltäglichen Vorgängen etwas weniger Raum eingeräumt. Denn obwohl der ungewöhnliche Alltag der Terranauten natürlich wirklich spannend und besonders ist, liefert er gemeinsam mit den zwischenmenschlichen Spannungen zwischen acht Menschen in der Kuppel (und dazu kommen noch die Figuren außerhalb, die nicht unerheblich ebenfalls teilhaben, Einfluss nehmen und beeinflusst werden) zu viel Stoff als dass es (mir) noch nicht zu unübersichtlich würde. Zwischenzeitlich konnte mich der Roman zunehmend weniger packen – bis in die letzten 150, 200 Seiten, da hatte ich schließlich das Gefühl, richtig angekommen zu sein.

Personen. Im Hinblick auf die Figuren bin ich so zwiegespalten wie noch nicht. Auf der einen Seite fand ich es ziemlich großartig, wie ehrlich sie berichtet haben (und überhaupt, die Erzählweise hat mir wirklich gut gefallen, viel mit Andeutungen, vieles blieb offen…) und wie ehrlich selbstkritisch sie auch waren. Größtenteils jedenfalls. Und vielleicht ist mein Kritikpunkt eine fast schon notwendige Folge aus eben dieser Erzählweise und der Ehrlichkeit, aber: Ich mochte beinahe keinen der Charaktere so richtig leiden. Ganz schwer fiel es mir mit Linda, die ich immer nur nehmen und gegen eine Wand hauen wollte, weil sie so furchtbar eifer- und selbstsüchtig und zugleich so ekelhaft aufgesetzt freundlich war. Naturgemäß kam mit dem weiteren Verlauf ein wenig Mitleid dazu, aber bis zum Ende ist mir ihr rachsüchtiges, egoistisches Wesen tierisch auf den Geist gegangen.
Auf der anderen Seite Dawn, die von allen noch die meisten Sympathiepunkte hatte, und mich doch gegen Ende zunehmend den Kopf schütteln ließ; der Rest war irgendwo dazwischen angesiedelt.
Und obwohl die Figuren von ihren Handlungen her in ihrer Rolle geblieben sind, fand ich es schade, dass die verschiedenen Erzählperspektiven sich im Stil kaum unterschieden, sodass ich einmal tatsächlich ein halbes Kapitel lang davon ausgegangen bin, der Erzähler wäre ein anderer.

Fazit. „Die Terranauten“ ist kein Roman, den man gelesen haben muss, aber ich mochte die Erzählweise und die Thematik, und bis zu einem gewissen Grad ließ mich beides über die Figuren und die partielle Langatmigkeit hinwegsehen.

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