„Die Liebeserklärung“ von Jean-Philippe Blondel

„Weißt du, genau das wollte ich dir heute sagen, […] dass ich dein bester Freund bin, auch wenn es dir nicht bewusst ist und uns beiden deshalb vermutlich etwas sehr Wichtiges entgeht“

Zusammenfassung. Die Liebeserklärung einer Kundin des Hochzeitsfilmers Corentin bringt ihn emotional (und damit sein ganzes Leben) aus dem Gleichgewicht und er verbringt daraufhin den Sommer damit, zwischenmenschliche Gefühle in Statements vor der Kamera einzufangen. Dabei werden Dinge gesagt, die sich die Redenden im Nachhinein sicher gern verkniffen hätten, und die Corentins Leben noch ein klein wenig mehr erschüttern.

Erster Satz. Der Wecker läutet: sechs Uhr dreißig.

Cover. Der Umschlag ist ganz nett, was mir aber viel besser gefallen hat: Das Buch ohne Umschlag. Das fasst sich richtig schön an, sieht edel aus; zum Glück finde ich es ohnehin unpraktisch, ein Buch mit Umschlag darum herum zu lesen und lege den in aller Regel zu Seite.

Inhalt. Nach allem, was ich über diesen Roman gelesen hatte, habe ich mit einer Liebesgeschichte gerechnet, die ich in der Form dann jedoch nicht finden konnte. Das ist gar kein Kritikpunkt, denn mir hat sehr gut gefallen, was passiert ist, ich habe nur etwas ganz anderes erwartet.
Ich mag sehr, wie die Geschichte um das Wesentliche herum erzählt wird, und Unwichtigkeiten außer Acht lässt. So entsteht am Ende eine fast schon stilisierte Erzählung, die vor allem in den Statements von Corentins „Interviewpartnern“ viele Informationen und noch ein bisschen mehr (verschwiegene, verdrängte, vergessene) Gefühle verbirgt.
Einzig das Ende hinterließ bei mir einen faden Beigeschmack, damit war ich einfach unzufrieden, aber das sehen sicherlich auch viele anders.

Personen. Wichtig ist natürlich vor allem Corentin, unser Protagonist, der von der ersten bis zur letzten Seite eine sehr schöne Entwicklung mitmacht. Man leidet ein wenig mit ihm mit, aber um in seine Gefühlwelt einzutauchen, muss man sich schon selbst einiges zusammenreimen.
Bei den weiteren Charakteren kommt wieder zum Vorschein, was ich auch beim Inhalt empfunden habe: Erwähnung findet nur das Wichtigste, was meinen Eindruck einer stilisierten Geschichte nur verstärkt hat. Aber an manchen Stellen muss man sparen, wenn man eine Geschichte auf nur 160 Seiten erzählen will. Auch hier wieder: Das ist keine Kritik, das muss vielleicht sogar genau so sein und auf jeden Fall hat es mir gefallen.

Zitate. „Weißt du, genau das wollte ich dir heute sagen, deshalb war ich bereit, mich vor deiner Kamera zum Affen zu machen – um dir zu sagen, dass ich dein bester Freund bin, auch wenn es dir nicht bewusst ist und uns beiden deshalb vermutlich etwas sehr Wichtiges entgeht, aber daran stirbt man nicht, stimmt’s?“ (S. 44)

Fazit. Wäre das Ende nicht, wär ich vollends begeistert. Viel mehr kann ich dazu nicht sagen – es ist ein wunderschönes Buch mit vielen leisen, weisen Worten, das mich sehr berührt hat.

Merken

Merken

Advertisements