„Und nun griff Deutschland wieder zu den Waffen. Ja, hatten wir denn nichts gelernt?“ (S. 199)

Zusammenfassung. Eine große Liebesgeschichte vor der Kulisse eines der größten Kriege der näheren Geschichte: Elisabeth ist gezwungen, einen Mann zu heiraten, den sie bloß vom Sehen kennt, und ihm an seinen neuen Arbeitsplatz nach Tokio zu folgen. Dort ist alles anders und neu für die gerade 19-Jährige und obwohl der Krieg und der Schrecken der Nazizeit in solcher Ferne beginnen, wird bald schon auch die scheinbare Idylle in der deutschen Botschaft getrübt. Wem kann sie in dieser Zeit trauen und wer spielt ein falsches Spiel?

Erster Satz. Der Kessel verschluckt sich fast an seinem eigenen Pfeifen.

Inhalt. Katharina Seewald ist es in diesem Roman eine Kombination aus vielem gelungen, das mir sehr gut gefallen hat: Wir haben hier eine Geschichte, die die Wirren und Schrecken des Krieges anschneidet; wir erleben ein kleines bisschen Japan den Dreißiger- und Vierzigerjahren; wir haben echt atemberaubend spannende Anteile; und natürlich kommt auch die Liebe nicht zu kurz, auch wenn die Situation im Endeffekt für keinen der Beteiligten so ganz einfach ist. Das ist aber vielleicht auch einer der Kritikpunkte für mich am Buch: Bei vielem hatte ich das Gefühl, dass mehr als bloßes Anschneiden nicht drin war (und dabei ist der Roman mit seinen knapp über 400 Seiten ja nun auch echt nicht das schmalste aller Werke). Elisabeth begegnet dem Elend der Bevölkerung und ist schockiert, aber so richtig Thema ist das dann doch nicht – nur um ein kleines Beispiel zu nennen. Auch der Rahmen, in den das ganze eingefasst ist (die inzwischen über 90-Jährige Elisabeth erzählt in einem langen Brief ihrer Tochter Karoline die Geschichte ihres Lebens) schneidet vieles an und bleibt trotzdem wahnsinnig knapp. So könnte man sich die Frage stellen, ob es diesen Rahmen wirklich braucht.

Personen. Ganz ähnlich meinen Kritikpunkten (eigentlich ist es ja bloß ein einziger, dass nämlich vieles nur angerissen wird) wurde uns Lesern auch bei den Personen eine ungeheure Fülle vorgesetzt. So viele Namen kamen vor, dass es mir zum Teil gar nicht so leicht fiel, die entsprechende Figur zuzuordnen. Auch mit den entsprechend vergleichsweise vielen Schicksalen mitzufühlen, ist unter den Voraussetzungen nicht immer einfach – man hätte sich für meinen Geschmack gern etwas mehr auf die Kernfiguren und -geschichten konzentrieren können. Aber abgesehen davon haben mir die Charaktere sehr gut gefallen. Jeder hat seine eigene Persönlichkeit und handelt auch dementsprechend, jeder hat seine Geheimnisse und nicht alle davon erfährt Elisabeth. Bei einigen dauert es bloß eine Weile, andere werden mit ins Grab genommen und vieles erfahren auch wir als Leser nicht.

Fazit. Es ist so viel einfacher, sich bei einer Rezension auf die Kritikpunkte zu konzentrieren: Die sind (für mein Empfinden jedenfalls) so viel einfacher in Worte zu fassen. Aber damit hier kein falsches Bild aufkommt, muss ich doch klarstellen, dass mir der Roman wirklich richtig gut gefallen hat. Er war berührend und brachte mich zum Weinen, er war schön und erschreckend und ehrlich und wirklich eines meiner Highlights dieses Jahr.

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