Nachdem Ende März innerhalb von vier Tagen sehr plötzlich die Teile drei und vier von Harry Potter zuende waren, erschrak ich ein wenig und bremste mich bewusst. Ich wollte nicht so lange gebraucht haben, um diese Reihe für mich zu entdecken, nur um sie dann innerhalb einer Woche zu verschlingen und nichts mehr von ihr haben zu können – deswegen konzentrierte ich mich auf Bücher, die meine noch fehlenden Kategorien in der lovelybooks-Themenchallenge abdecken könnten.

„Weit weg ist anders“ von Sarah Schmidt sprach mich in der Leseprobe an und nun habe ich es mir gegen Meer Liebe auf Sylt (bei dem ich keinerlei Ambitionen verspürte, es zu behalten) im vorablesen-Forum ertauscht. Trotz einiger Details, die mich durchaus an Meer Liebe auf Sylt erinnert haben, hat mir dieses Buch deutlich besser gefallen; dabei blieb es jedoch ebenfalls hinter den Erwartungen zurück. Die Rezension ist hier zu finden.

„Miss Paderborn“ von Erwin Grosche. Zugegeben, hätte eine der Kategorien der Themenchallenge nicht erfordert, ein Buch zu lesen, das in der Heimatstadt spielt, dann hätte ich wohl im Leben nicht zu diesem Krimi gegriffen. Und wirklich entgangen wäre mir dabei sicherlich auch nichts; dazu ist die Sprache zu platt. Aber es hat mich eine Zeit lang unterhalten und es ist mal etwas anderes, als Schauplätze die eigene Stadt präsentiert zu bekommen.
„Er konnte gut gehen, aber sobald er lief, musste er stehen bleiben.“ (S. 39)
„Maikötter wollte nichts sagen, wurde dabei aber trotzdem unterbrochen.“ (S. 78)

„Der Freund der Toten“ von Jess Kidd kam als Rezensionsexemplar und schoss direkt durch in mein Herz. Es dauerte keine 24 Stunden, bis ich das Buch gelesen hatte und die ausführliche Rezension wird auch noch kommen; allerdings erst nach Erscheinen des Titels am 19. Mai. Was ich aber schon verraten möchte: Ich bin begeistert und verzaubert von einem wirklich märchenhaften Krimi, der spannend und ausgesprochen humorvoll ist.
„Doch während der Mann sich wusch, hatte der Wald das Kind verborgen. […] So kam es, dass der Mann, als er sich umschaute, das Kind nicht mehr finden konnte, so gründlich er auch suchte.“ (S. 9)
„Ich hab ein Jo-Jo gehabt, aber ich hab’s verloren. […] Ich glaube, der Wald hat’s gestohlen. Der stiehlt alles, was hübsch ist.“ (S. 31)

„Kleine Lichter“ von Roger Willemsen zog hier ein, kurz nachdem Roger Willemsen gestorben war. In dem Zuge hörte ich einiges über ihn und das Buch sprach mich an, also bestellte ich es. Nach dem Lesen bin ich nun ein wenig gespalten: Obwohl ich die liebevollen Worte, die hier gefunden werden, sehr sehr großartig fand, habe ich doch ungefähr doppelt so lange gebraucht wie für ein anderes Buch ähnlicher Länge, denn irgendwie zog es sich leider bisweilen doch. Alles in allem aber wirklich schön.
„Anders gefragt: Wie wirklich darf diese Liebe werden?“ (S. 37)
„[…]ich dache, dass die Abstände zwischen den Menschen eigentlich unüberbrückbar sind. Ja, Menschen sind unerreichbar.“ (S. 46)
„Wie tief kannst du, wie tief willst du lieben?“ (S. 53)
„Ich hätte […] Ja gesagt für immer, zum ersten Mal für immer.“ (S. 160)

„Du hattest eine Romanze sein sollen, und was wurdest du: mein Leben.“ (S. 172)
„Deine Umarmung wird größer sein als die Spannweite deiner Arme.“ (S. 175)

„Der kleine Prinz“ von Antoine de Saint-Exupéry ist natürlich Pflichtlektüre. Und trotzdem habe ich dieses wundervolle Buch mit 23 Jahren nun zum ersten Mal gelesen! Ich empfehle jedem, der das Buch eh schon mag (und eigentlich auch allen anderen), die Ausgabe mit Hintergrundinformationen. Die sind nämlich spannend, machen die Lektüre noch ein bisschen schrecklicher und noch ein bisschen schöner. Mir war beispielsweise nicht klar, wie tief der Zusammenhang zum dritten Reich tatsächlich ist und ein kleines bisschen hat es mir das Herz zerrissen, dass Saint-Exupéry die Geschichte seinem besten Freund Léon Werth widmet, der sich als kritischer Jude im besetzten Frankreich des Nationalsozialismus verstecken musste.
„Ich verstehe schon, was du meinst, […] obwohl du immer in Rätseln sprichst.“ (S. 80)
„Nur indem man die Welt zähmt, kann man sie entdecken.“ (S. 92/93)
„Wenn man sich erst einmal mit einem anderen angefreundet hat, dann läuft man Gefahr, dass einem irgendwann die Tränen kommen…“ (S. 111)
„Nur du wirst es mit Sternen zu tun haben, die lachen können.“ (S. 117)

„Mein Blind Date mit dem Leben“ von Saliya Kahawatte las ich, weil mich der Filmtrailer angesprochen hatte, ich aber deutlich lieber lese als Filme schaue. Wir bekommen einen inspirierenden Einblick in ein Leben, das kein leichtes war und ist; dabei versinkt es nie in Selbstmitleid, stattdessen ist es mal humorvoll, mal ernst, aber stets unterhaltsam. Einzig sprachlich bin ich das ein oder andere Mal über anscheinend eingedeutschte Formulierungen wie „Er hat einen perfekten Job gemacht“ gestolpert.

„S. – Das Schiff des Theseus“ von J.J. Abrams und Doug Dorst lag eine ganze Weile auf dem SuB, weil ich mir Sorgen gemacht habe, es nicht genug wertschätzen zu können, wenn ich es wegläse, wie ich normalerweise fast alle Bücher weglese. Also, am Stück in maximal drei Tagen. Da dieses spezielle Buch jedoch auf Deutsch inzwischen Unsummen kostet und meine Patentante vermutlich nicht ganz so viel, aber sicherlich genug ausgegeben hat, wollte ich ähnliches hier nicht riskieren.
Zum Ende hin ging es dann doch etwas schneller aus dem einfachen Grund, dass die Geschichte(n) so kompliziert und ineinander verwoben sind, dass auf so vielen Ebenen gleichzeitig etwas erzählt wird, dass ich das Buch ohnehin noch einmal lesen muss und dabei sicherlich mindestens genau so viel Spaß haben werde. Denn es ist echt großartig! So liebevoll und detailreich gemacht, es fühlt sich so hochwertig an und macht einfach echt viel Spaß. Ich würde allerdings empfehlen, dieses Werk auf Englisch zu lesen. Da bekommt man es auch deutlich günstiger.

„Ragdoll“ von Daniel Cole war ein packende, fesselnder Thriller, mit dessen Auflösung ich nicht gerechnet hätte. Ich habe angefangen ihn zu lesen, mochte nicht mehr aufhören und plötzlich war er auch wieder vorbei. Durchaus empfehlenswert!

„Und dann steht einer auf und öffnet das Fenster“ von Susann Pásztor ist ein wirklich schöner, sanfter Roman mit schwerer Thematik, das mir sehr zu Herzen ging. Es hätte ausführlicher sein können, aber ich mochte wahnsinnig gern, wie er mehr andeutete als aussprach und so genau so unvollkommen und unperfekt blieb wie seine Protagonisten.
„Sie hatten immer noch schlechten Sex, aber sie heirateten trotzdem, weil es niemanden gab, mit dem sie besseren Sex hätten haben können.“ (S. 91)
„Vorlesen darfst du mir erst, wenn ich mich nicht mehr dagegen wehren kann. Ich mochte Vorlesen noch nie, aber wahrscheinlich wird es mir bei dir sogar gefallen.“ (S.168)
„Das Konzept der Seele, verstand er plötzlich, war nicht durch religiösen Idealismus entstanden, sondern nur das Ergebnis eines einfachen Subtraktionsprozesses.“ (S. 172)
„Wie unangenehm dieser plötzliche Druck war, den er in seinem Brustkorb spürte, es könnte Kotzen oder Weinen oder ein Herzinfarkt werden.“ (S. 250)

Von „Das Buch der Spiegel“ von E.O. Chirovici hatte ich mehr erwartet und wurde von einer leider nur netten Story überrascht. Hätte mir sicherlich besser gefallen, wenn mir nicht der Anfang so richtig, richtig gut gefallen hätte – denn dann wären die Erwartungen geringer gewesen. Rezension folgt.

Mit „Vater telefoniert mit den Fliegen“ von Herta Müller konnte ich in der lovelybooks-Themenchallenge die Kategorie „Buch eines Nobelpreisträgers“ abdecken. Ich fand die Aufmachung der Sammlung toll, und auch wenn die „Gedichte“, die sie enthält, reichlich abgedreht waren: Mir haben sie gefallen.
„Da lächelte der Neue trüb und wollte gehen und blieb“ (S. 48)
„Kein Betrug nur Gegenwart im Zeitverzug“ (S. 50)
„Ich sollte packen solang ich noch an mir beteiligt bin“ (S. 106)
Kein Zitat der Welt ersetzt jedoch das, was man in diesem Buch findet.

„Demnächst in Tokio“ von Katharina Seewald rundete meinen Lesemonat April sehr sehr gelungen ab, wartete mit Tränen und Lachen und großen Gefühlen vor spannender historischer Kulisse ab. Die ausführliche Variante davon gibt es bald auch als Rezension hier!

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