„Sie musste sich nicht beeilen, sie musste… Einfach gar nichts.“ (S. 189)

Zusammenfassung. Christel Jacobi und Edith Scholz teilen einige wenige Eigenschaften – beide sind sie nicht mehr die jüngsten, beide verbringen sie einige Zeit in einer Reha-Klinik auf Usedom – und vor allem teilen sie ihre Abneigung gegenüber der jeweils anderen. Wie es trotzdem passieren kann, dass sie sich plötzlich auf einer gemeinsamen Fahrt quer durch Deutschland wiederfinden, wieso sie dabei mehr als einmal praktisch auf der Flucht sind und wen oder was sie dabei finden? Davon erzählt dieser Roman.

Erster Satz. Die Lampe hing zu hoch und warf mehr Schatten als Licht in den langen Wohnungsflur.

Cover. Häufig ist das Cover nicht besonders spannend und erwähnenswert, in diesem Fall jedoch möchte ich kurz meiner Irritation Worte verleihen: Mir ist nicht ganz klar, was das durchaus hübsche Cover mit dem Inhalt zu tun haben sollte. Vermutlich steht der Bus fürs Verreisen im Allgemeinen und Berliner Sehenswürdigkeiten kann man immer mal zeigen, aber abgesehen davon? Hm. Vielleicht kann mir das ja jemand erklären.

Inhalt. Dieses Buch hätte deutlich vorhersehbarer ausfallen können als es im Endeffekt passiert ist – Story und Charaktere hätten das zweifellos hergegeben. Stattdessen werden wir mitgenommen auf eine Reise quer durch Deutschland, auf der lange nicht alles glatt läuft, an der aber mindestens die beiden Hauptfiguren noch ein ganzes Stückchen wachsen.
Was mich etwas traurig gemacht hat: So ganz rein kam ich irgendwie nicht. Vielleicht lag das daran, dass ich den Eindruck hatte, es gäbe einen Hauch zu viele Zeitsprünge: Dadurch lag der Fokus auf dem, was wirklich wichtig war, doch zwischen durch fehlten mir ein paar Kleinigkeiten.

Personen. Nachdem ich vor kurzem „Meer Liebe auf Sylt“ gelesen habe und leider nicht so begeistert werden konnte, war mir zu Beginn auch hier etwas bang, denn von der Idee her – zwei ältere und sehr gegensätzliche Damen stoßen aufeinander und raufen sich irgendwie zusammen – ist es gar nicht so weit auseinander. Was mir allerdings hier deutlich besser gefallen hat: Obwohl die Charaktere sehr extrem gezeichnet wurden, waren sie glaubwürdig und (weitgehend) nachvollziehbar, ich hatte nicht den Eindruck, in ein wandelndes Klischee zu laufen. Die Zwischentöne veränderten sich etwas subtiler, die Figuren waren nicht so platt wie sie es hätten werden können und vor allem war am Ende nicht alles gut und Friede Freude Eierkuchen.
Trotzdem fiel es mir schwer, mich mit den Charakteren zu identifizieren, und das ließ mich ein wenig unzufrieden zurück. Ich weine sonst IMMER mit den Figuren mit, wieso haben mich diese nicht so gepackt? Keine Ahnung, ehrlich. Oh, und eines noch: Leute, redet miteinander. Das macht vieles so viel einfacher.

Fazit. „Weit weg ist anders“ bietet nette Unterhaltung, die für meinen Geschmack etwas tiefer hätte gehen können, etwas mehr hätte berühren können. Aber ich mochte die Glaubwürdigkeit (trotz der extremen Charakterisierungen!) der Figuren und der Handlung und heutzutage ist es schon viel, wenn ich nicht nach wenigen Seiten von Handlungen und Gedanken der Protagonisten genervt bin.
Also keine uneingeschränkte Leseempfehlung, aber wer vom Klappentext angesprochen wird, der wird wohl nicht enttäuscht werden.

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