„Das war ein Scherz“, sagte Leander aufgeregt. „Hat er funktioniert?“ (S.383)

Zusammenfassung. In „Lost in Fuseta“ begleiten wir die Ermittler eines portugiesischen Ortes bei den Ermittlungen in einem Mordfall, der einige Fragen aufwirft; und lernen mit ihnen zusammen den seltsamen neuen Kollegen aus Deutschland kennen, der im Rahmen eines EU-Austauschprogramms ein Jahr bei ihnen in Fuseta leben und arbeiten wird. Nach einigen Anlaufschwierigkeiten gelingt es der ungleichen Truppe, sich zusammen zu raufen und gegen gemeinsame Gegner vorzugehen.

Erster Satz. Es war einer dieser Tage, der so verheißungsvoll begonnen hatte, dass man fürchtete, es müsse zwangsläufig etwas dazwischenkommen.

Cover. Das Cover hat mich jetzt nicht vom Hocker gehauen, aber es ist schon ganz hübsch. Lust auf Urlaub an der portugiesischen Küste macht es auf jeden Fall. Nettes Feature: die Landkarten in den Innenseiten des Einbands, die ein klein wenig mehr der Gegend vor Augen führt.

Inhalt. Ich muss ehrlich sagen, ich hatte bei einem Krimi etwas anderes erwartet, und in anderer Stimmung würde mein Urteil vielleicht auch anders ausfallen. Denn eines habe ich festgestellt: Für mich war der ganze Roman eher einer, in dem es um Menschen im Allgemeinen und unseren Leander Lost im Besonderen ging, als ein „echter“ Krimi. Der Mordfall und alles, was damit zusammenhing, war zwar durchaus spannend und unterhaltsam, aber was mich wirklich gepackt hat, das war alles dazwischen.
Denn während ich die persönlichen Entwicklungen sehr geschätzt habe, konnten mich die ermittlerischen Wendungen nicht immer überzeugen. Irgendwie war mir häufig alles zu einfach (oder sie haben es nur einfach zu einfach gesehen). In jedem Fall, hätte ich einen Krimi gewollt, der durch Verbrechen und Ermittlungen spannend ist, dann wäre ich vermutlich enttäuscht gewesen.

Personen. Fast alle Charaktere haben mir gut gefallen, wobei hier natürlich einige herausstechen. Zum einen die portugiesischen Ermittler Graciana und Carlos, die beide auf ihre eigene Art sympathisch sind (wenn sie sich auch ermittlerisch hin und wieder das Leben ein wenig zu leicht gemacht haben); Gracianas Schwester Soraia, die ein beeindruckendes Gespür im Umgang mit Leander Lost an den Tag legt; die verletzte, starke Zara; und natürlich der titelgebende Leander Lost himself.
Gemocht habe ich ihn von Anfang an, und kann stolz behaupten, dass ich schon vor den Ermittlern auf sein Geheimnis gekommen bin. Hier haben wir auch wieder einen Pluspunkt des Krimis, der mir sehr gut gefallen hat: in den ersten Kapiteln wird Leanders Hintergrund so eindeutig und doch so in die Geschichte eingebunden geschildert, dass alles so gut passt, glaubwürdig ist und mich wirklich begeistert hat. Ich weiß natürlich nicht, wie realistisch das alles tatsächlich ist, aber das ist mir jetzt auch gar nicht so wahnsinnig wichtig.

Zitate. […] „Dann wirst du sehr wahrscheinlich ums Leben kommen.“
„Das ist ja tröstlich.“
Mit einem Mal wurde Losts Gesicht durch ein Lächeln dominiert, er beugte sich neugierig zu ihr vor.
„War das Ironie?“
„Natürlich. Ich finde es nicht sehr tröstlich, wenn ich sterben muss.“
Er strahlte. (S.320)

Fazit. Nach „Lost in Fuseta“ bin ich völlig angefixt und freue mich echt wahnsinnig auf einen Nachfolgerteil (der auf der Rückseite durch den Satz „Der brillante Start einer Krimireihe um Leander Lost“ angedeutet wird). Ich werde ihn nicht lesen, wenn ich einen brutal spannenden Krimi-Krimi lesen möchte, aber werde dafür eine Menge Spaß mit einem Haufen liebenswerter Charaktere haben, die sich nur hin und wieder ihr Leben ein bisschen leicht gemacht und alles ziemlich schwarz und weiß gesehen haben.

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