„Das Geheimnis jener Tage“ von Zoë Miller.

„Tapfere Menschen sind diejenigen, die einfach vorwärtsgehen und tun, was sie sich vorgenommen haben, auch wenn sie Angst haben.“

Zusammenfassung. In den achtziger Jahren nimmt das Leben zweier Personen eine unerwartete Wendung – viele Jahre später ist unsere Protagonistin Carrie tief in Kummer versunken, seit ihre Eltern vor Jahren ums Leben kamen. Und auch ihr Leben nimmt eine Wendung, als sie auf ein Geheimnis aus der Vergangenheit ihrer Eltern stößt. Was geschah wirklich im Sommer 1980?

Erster Satz. Sie hat nicht vor, jemandem das Leben zu retten, als sie an diesem Abend das Haus verlässt.

Cover. Direkt angefixt hat mich das Bild auf dem Cover. Ich steh auf die Farbkombination aus blau, grau, weiß, rot und grün und vor allem natürlich von der irischen Küste. Da muss ich allerdings dann direkt auch erwähnen, dass mir die Kulisse Irland ein wenig zu sehr nur Kulisse war – hätte auch gern mehr Thema sein können. Aber ein paar kleine Fehler darf jedes Buch haben.

Inhalt. Als ich das Buch begonnen habe, rechnete ich mit relativ seichter Unterhaltung. Da ist eine Frau, ihre Eltern sterben, und irgendwann in den Achtzigern gabs mal ein Geheimnis. Dass das Geschehen dann schon in der Achtziger-Storyline begann, war für mich eine willkommene Überraschung; dass besagte Achtziger-Storyline nochmal unglaublich viel spannender war als ich vorm Lesen angenommen hatte, freute mich gleich nochmal mehr.
Wer hier entspannte, nichtssagende Unterhaltung sucht, der ist falsch. Dieser Roman bietet weder leichte Kost, noch ist er entspannt. Ich saß zwischendurch auf der äußersten Kante des Sofas, weil ich so mitgefiebert habe, und am Ende fand mich der Freund in Tränen aufgelöst.
Ja, ich würde sagen, dieser Roman gefiel mir ziemlich gut.

Personen. Häufig stelle ich mir leider in Romanen die Frage, wieso zur Hölle jemand auf die Weise handelt, auf die er handelt. Das ist mir hier, soweit ich mich erinnere, nicht passiert – nun ja, Carrie macht sich schon selbst das Leben ziemlich schwer, und der Umgang ihrer Familie mit ihr hilft dabei herzlich wenig. Dass sich das über fünf Jahre hinzieht, ist schon am Rande der Glaubwürdigkeit, aber meine Güte, jeder reagiert anders auf Schicksalsschläge.
Der Rest der Figuren ist glaubwürdig und – die meisten jedenfalls – sympathisch. Einen Narren gefressen habe ich natürlich an Luis, der ist super und ich kann sein Verhalten nur unterstützen.

Zitate. Schon oben erwähnt, hier in der extended edition:
„Vielleicht kann man gar nicht erwarten, dass du dich stark genug fühlst. Aber das ist nicht nötig: Du musst dich nicht wirklich stark fühlen, es reicht, wenn du so tust, als ob.“
„Als ob?“
„Ja, tu so, als wärst du tapfer und stark.“
[…]
„Tapfere Menschen sind diejenigen, die einfach vorwärtsgehen und tun, was sie sich vorgenommen haben, auch wenn sie Angst haben.“ (S. 142/143)

Fazit. Dieser Roman hat sich noch viel mehr gelohnt als ich im Vorfeld erwartet habe. Er hat mich zum Lachen gebracht und (vor allem) zum Weinen. Er war überraschend und er war unglaublich spannend.
Ich kann ihn nur empfehlen, werde das in meinem Umfeld auch tun, und vor allem: Ich werde ihn auf jeden Fall ein weiteres Mal lesen – allein, um mit meinem Wissen vom Ende noch einmal von vorn anfangen zu können.

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