„Gefährliche Ernte“ von Yann Sola

„Verräterische Ruhe, was Haziem“, sagte Perez […].
„Gefährliche Ernte“, antwortete Haziem und deutete auf die abgeernteten Rebstöcke.

Zusammenfassung. Der Sommer könnte so schön sein für Syracuse Perez – wenn nicht die ganzen Touristen wären. Und der Kerl, den seine Tochter heiraten will. Und dann auch noch ein Toter im Weinberg seines Vaters, der die Ermittlungen in Richtungen führt, die Perez so gar nicht gefallen! Immerhin kann er letztere Probleme angehen und so verfängt er sich bald in dramatischen Familiengeschichten, die bis in die höchsten Ebenen nationaler Politik führen.

Erster Satz. August an der Côte Vermeille.

Inhalt. Dieser Roman ist nicht nur ein Südfrankreich-Krimi, er greift ganz aktuelle Brennpunkte unserer Gesellschaft auf, was ich ihm hoch anrechne.
Perez muss im Laufe seiner Ermittlungen feststellen, dass sehr vieles zusammenhängt von dem, was um ihn herum passiert – so wirklich richtig spannend wird das allerdings erst auf den letzten knapp hundert Seiten, das hätte meinetwegen auch schon deutlich eher passieren können.
Die Parallele, die sich im Laufe der Geschehnisse zwischen dem Fall und Perez‘ Privatleben auftut, war mir ein wenig zu offensichtlich, aber damit habe ich meine zwei Kritikpunkte auch schon abgehakt; abgesehen davon hat mich der Krimi über seine knapp 350 Seiten sehr gut unterhalten und auch immer wieder überrascht.

Personen. Vor allem dreht sich dieser Roman naturgemäß um Perez, dessen Sichtweise auf verschiedene Dinge sich im Verlauf der Geschichte gravierend ändert – diese Änderungen fand ich überzeugend und nachvollziehbar beschrieben. Überhaupt ist er ein ganz und gar sympathischer, eigenwilliger Charakter, mit dem ich gut mitfühlen konnte (auch wenn ich, fünfunddreißig Jahre jünger, bei weitem nicht so draufgängerisch unterwegs bin).
Von den restlichen Charakteren ist mir vor allem Haziem im Gedächtnis geblieben, dessen Vorgeschichte ihn noch mehr mit dem, was passiert, verknüpft, und wegen dem ich das ein oder andere Mal doch sehr schlucken musste.
Doch auch der Rest der Figuren blieb keineswegs farblos, und vor allem: Kaum jemand war durch und durch gut oder böse, alle waren in Graustufen gezeichnet und (fast) alle dadurch auf irgendeine Art und Weise nachvollziehbar.

Zitate. „Ich möchte mich bei dir bedanken. Das war ein harter Tag für dich.“ […]
Haziem sah ihn nicht an, er trat von einem Fuß auf den anderen.
„Darf ich dich umarmen?“ fragte Perez leise. (S. 270/271)

„Verräterische Ruhe, was Haziem“, sagte Perez und griff nach der Hand seines Freundes.
„Gefährliche Ernte“, antwortete Haziem und deutete auf die abgeernteten Rebstöcke. (S. 345)

Fazit. Zwischendurch war mir dieser Krimi zu langsam, zu ruhig und es passierte mir zu wenig. Mit den Seiten habe ich das jedoch schätzen gelernt und hatte Spaß an der Atmosphäre, am südfranzösischen Flair und an den langsam aber sicher spannender werdenden Geschehnissen.
Wer jedoch gern seine Augen vor aktuellen Problemen verschließt, sollte die Finger hiervon lassen – für mich war das ein absoluter Pluspunkt.

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